| w4nTeD's Users-Blog - Oh weh, oh weh, die AKW! |
| Oh weh, oh weh, die AKW! |
|
Verfasst am 31.03.2011 um 16:07 Uhr
|
|
Achtung: Ich neige zu Sarkasmus, Polemik, Zynismus und dem ganzen anderen Schweinkram. Bedingt durch die drohende nukleare Katastrophe in Japan gibt es seit letztem Freitag auch in Deutschland kein anderes Thema mehr: Atomkraftwerke. Entweder geht es in den Nachrichten um die Lage Japans selbst oder man darf als gespannter Zuschauer teil der wieder einmal aufflammenden Diskussionen über unsere eigenen AKW werden. Wie den meisten aber klar sein dürfte, wird hier anlässlich der anstehenden Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg vorwiegend auf Wählerfang gegangen. Mit der Angst unserer Mitbürger kann man nun einmal gut Politik machen. Das hat sich ja bewährt. Eigentlich möchte ich in diesem Eintrag aber auf einen anderen Punkt eingehen: die Atomkraftgegner. Viele der eingesessenen Anti-Atom-Kohorten schreien jetzt ja wieder "Abschalten!" auf. Dies schrittweise und über ökonomisch sinnvolle Zeiträume hinweg durchzuführen lehnen sie aber ab. "Alles und sofort!" ist die Devise der Stunde. Begründet wird das momentan einzig und allein mit - wen wundert es - der Gefahr, die von AKW ausgeht. Zugegeben: Sollte der selbstverständlich äußerst wahrscheinliche Fall eintreten, dass sich in Deutschland das erste starke Erdbeben (> Intensität 8) der gesamten germanischen Geschichte und dann daraufhin die nächste Baden-Württembergische Sintflut ereignete, wären wir vermutlich nicht mehr so lange Teil der Menschheitsgeschichte. Ich bin zwar kein Experte in Reaktorsicherheit, glaube aber, dass die Lage in allen anderen Fällen nicht halb so katastrophal wäre, wie in Japan zur Zeit. Das gute ist ja auch, dass ich mich gar nicht wirklich auskennen muss, weil es die AKW-Gegner ja eigentlich auch alle nicht tun. Unabhängige Experten sagen zwar, die deutschen Reaktoren seien sicher, woraufhin die Anti-Atom-Lobby schlicht behauptet die Experten wären nicht unabhängig. Die eigenen Experten, die das unglaubliche Risiko ermittelt haben, das von den AKW ausgeht, sind es aber selbstverständlich. Aber ich will den Ökos mal den Gefallen tun und mich an ein Gedankenexperiment wagen: Deutschland beschließt, alle AKW der Bundesrepublik morgen abzuschalten. Alle. Morgen. Das unbestreitbar gute daran wäre natürlich: Wir sind sicher! Alle würden sich unglaublich freuen und die Grünen könnten sich endlich den zahlreichen Braun- und Steinkohlekraftwerken zuwenden. Bis die Brennstäbe dann nach Frankreich verkauft sind (am besten samt Kraftwerk außenrum), liegen sie zwar noch bei uns rum, aber hey, jetzt kann uns ja nichts mehr passieren. Und noch einen Vorteil hätte die sofortige Abschaltung: Die Schwaben und Badenser wüssten endlich wieder, wie es sich im Mittelalter so lebt. Strom gibt's in BW dann nämlich nur noch für jeden zweiten Haushalt (1). Und wenn ein paar Freiburger doch wieder Strom haben wollen, gibt's ja immerhin die Möglichkeit sich günstigen Atomstrom aus Frankreich direkt ins Haus liefern zu lassen. Wunderbar! Mal ernsthaft: sofortiges Abschalten von allen AKW hätte eine einzige Folge: massive Energieprobleme in ganz Deutschland. Fast jede vierte (2) kWh, die in Deutschland erzeugt wird, stammt aus Atomkraftwerken. Außerdem soll Strom in Deutschland laut der Energieagentur Dena selbst ohne die Abschaltung aller AKW im Jahr 2012 (3) knapp werden. Scheinbar denken auch viele Atomkraftgegner, man könne Strom importieren wie T-Shirts - z.B. aus China. Wenn wir selbst also nicht genug produzieren, holen wir uns doch einfach ein bisschen billigen Strom aus Russland oder Kuba oder gar schönen Ökostrom aus Norwegen. Dass Strom zzT nicht verlustfrei über weite Strecken transportiert werden kann, scheint den meisten nicht klar zu sein. Anstatt also so hirnrissige Forderungen zu stellen, wäre ein marktwirtschaftlicher Ansatz aus meiner Sicht weitaus sinnvoller. Mittlerweile bietet die Hälfte aller Stromanbieter in Deutschland auch Ökostrom an. Damit ist Ökostrom in nahezu allen mittelgroßen Städten verfügbar. Dennoch haben erst 2 Millionen der 40 Millionen Haushalte deutschlandweit auf Ökostrom umgestellt (4). Daraus schließe ich, dass weite Teile der Bevölkerung gar nicht in dem Maße hinter der Anti-Atomkraft- bzw. Umweltbewegung stehen, wie diese gerne proklamieren. Wenn diese Unterstützung wächst, steigt in meinem Verständnis zwangsläufig die Anzahl der Haushalte, die auf Ökostrom umgestellen und daraus folgend ließe sich Atomstrom in Deutschland gar nicht mehr ökonomisch herstellen. Wäre das nicht ein Ansatz? by Cyberonic
|
| Bitte Login benutzen, um Kommentare zu schreiben. |